Dienstag, 9. März 2010

 

So funktioniert Singapur II

Nachdem ich vor ein paar Wochen etwas zur staatlichen Aufsicht ueber Bezieher von Sozialleistungen geschrieben habe, gibt's heute was zum Thema Strafverfolgung zu berichten.
Die Straits Times hat einen Artikel ueber die Verurteilung eines Vergewaltigers.
Die Kurzform:
Der Kerl (27) ist in die Wohnung der 48jaehrigen Mutter seiner Ex-Freundin eingebrochen (Nachschluessel), hat sie geknebelt und ans Bett gefesselt und dann vergewaltigt. Anschliessend hat er die Frau losgemacht, hat seine Ex-Freundin angerufen, dass sie ihrer Mutter helfen soll und ist gegangen.
Ergebnis: 25 Jahre Haft, 24 Stockschlaege.
Nun bin ich weder Anwalt noch will ich in irgendeiner Art und Weise Vergewaltiger rechtfertigen, aber es faellt ein deutlicher Unterschied auf, wenn man sich im Vergleich §177 StGB ansieht. Danach haette es maximal 3 Jahre gegeben. Und natuerlich keine Stockschlaege.
Noch ernster sehen das die Saudi-Araber: Laut Wikipedia ist in Saudi-Arabien zumindest fuer verheiratete Vergewaltiger die Todesstrafe nicht unueblich.

In diesem Sinne: Immer schoen ehrlich bleiben.

Montag, 1. März 2010

 

Projekt 09

Geschafft. Ich habe meinen Fuehrerschein Klasse 2b.
Nach 9 Monaten und 800 Dollar Kosten darf ich jetzt auch vorne auf dem Motorrad sitzen. Natuerlich nicht auf so 'nem moerderischen Feuerstuhl wie ihn meine Frau faehrt, aber wenigstens muss ich jetzt keine Pedale mehr am Fahrzeug haben. Das ist bergauf ein wesentlicher Fortschritt.
Es gibt auch keinen Grund Angst zu haben. Man kennt mich als extrem defensiven und immer aufmerksamen Fahrer ohne vergangene Verhaltensauffaelligkeiten im Strassenverkehr (zumindest glaube ich, dass meine Flenspunkte mittlerweile alle verjaehrt sind). Und als i-Tuepfelchen muss man hier einen Safe Rider's Pledge ablegen (zu deutsch: Fahrsicherheitsgeloebnis). Die Laecherlichkeiten des Tages der Pruefung waren der wohldramaturgierte Hoehepunkt der letzten 9 Monate. Aber der Reihe nach:

Der Pruefungstag
Nachdem ich mich im Dezember bereits koerperlich und geistig fit befand, es der Verkehrspolizei hier mal so richtig zu zeigen musste ich zwei Monate auf den Pruefungstermin warten. Am 25.2. war es so weit. Wer Fahrschulpruefungen aus Deutschland kennt, muss jetzt mal eben alles vergessen. Hier werden ca. 90 Leute an einem Tag getestet.

7.00-8.00 Uhr
Zeit, da zu sein. Es folgt eine kurze Einweisung und dann darf jeder noch eine Runde zur Aufwaermung auf diesem Kurs fahren.

8.00-8.15 Uhr
Ende des Einfahrens. Kurze Einweisung, Dokumente abgeben.

8.15-9.00 Uhr
Pause

9.00-9.15 Uhr
Es erscheint die Verkehrspolizei und gibt die Dokumente zurueck.

9.15-10.30 Uhr
Dann geht's in der Reihenfolge Expats, alte Leute, junge Leute erst auf den Kurs in der Fahrschule (Anfahren am Berg, Slalom, Notbremsung etc.) und dann fuer 2-3km auf einen fest vorgegebenen Kurs in der wirklichen Welt. Drinnen wie draussen sind Polizisten verteilt, die Noten geben. Ich selbst bin Nummer 2. 9:15:20 geht's los, 9:25 bin ich fertig. Warten bis 10.30.

10.30-11.00 Uhr
Pause, Zeit fuer die Tester von der Polizei, Aufzeichnungen zu vergleichen oder sich Geschichten zu erzaehlen.

11.00-11.20 Uhr
Langsam finden sich alle Kandidaten im Klassenraum zur Ergebnisansage ein.

11.20-12.00 Uhr
Jetzt wird's spannend. Wie bei DSDS. Die Kandidaten waren in Gruppen a 10 Leute eingeteilt. jetzt werden aus jeder einzelnen Gruppe diejenigen aufgerufen, die nicht bestanden haben. Meine Gruppe muss einen sehr gruendlichen oder sehr langsamen Tester gehabt haben. Es dauert Ewigkeiten. Trotz meiner Nr. 2 und meiner souveraenen Leistung muss ich mich gedulden. Ploetzlich: "Nr. 1". Autsch, das ist meine Gruppe. Ok, Nr. 1 fuhr vor mir, ist bei rot ueber eine Ampel gefahren und permanent seinen Bock abgewuergt. Wundert mich nicht, dass der nochmal darf. Wie geht's weiter? Spannung steigt. Weiter: "Nr. 3, 5, 6 und 8." Stille. Wow, 50% durchgefallen. Aber Nummer 2 hat bestanden. Das bin ich. Sehr gut. Hatte ich nicht anders erwartet. War aber trotzdem erleichtert. Dank Daniela wusste ja halb Singapur Bescheid, dass ich Pruefung habe.

12.00 Uhr
Der Pledge
So, und jetzt wird es richtig albern. Und zwar nicht nur meiner bescheidenen Meinung nach, sondern auch nach Ansicht meiner Singapurer Kollegen. Das Geloebnis.
Es werden die verbleibenden 60 oder so ex-Kandidaten aufgefordert, sich hinzustellen und eine Faust ueber der linken Brust zu machen. Dann gilt es, dem Tester folgendes nachzusprechen:

"We the safe riders pledge to be alert at all times, considerate to other road users and follow all traffic rules so as to make riding a safer and more enjoyable experience. We pledge to ride safely and stay alive."

Auf deutsch etwa
"Wir, die sicheren Motorradfahrer, geloben, allzeit aufmerksam zu sein, andere Strassenverkehrsteilnehmer zu achten und alle Verkehrsregeln zu befolgen, damit Motorradfahren eine sicherere und freudenspendendere Erfahrung wird. Wir geloben, vorsichtig zu fahren und am Leben zu bleiben."

Wasnscheiss. Das beste aber: Die ganzen Singapurer um mich herum haben offenbar beigeistert gelobt.

Egal, ich hab jetzt meinen Fuehrerschein, ein Motorrad, ein Loch im linken Schienenbein und die Haut von der linken Handflaeche weggekratzt. Letztere beide Sachen passierten allerdings als ich noch zu Fuss unterwegs war. Gna.

In Kuerze gibt's dann hier Bilder von meinem fahrbaren Untersatz.
Nur kurz eine schoene Geschiche dazu. Folgendes Gespraech mit meiner Kollegin entsponn sich:

Sie: "Welche Farbe?"
Ich: "Lila metallic."
Sie: ... 3s Pause ... dann "Ernsthaft, welche Farbe?"
Ich: "Ernsthaft, lila metallic."
Sie: ... 3s Pause ... dann "Ok, ich bin mir sicher, es sieht besser aus als es sich anhoert."

Martin

Donnerstag, 17. Dezember 2009

 

So funktioniert Singapur

Mal wieder eine kurze Randnotiz von mir.
In Singapur werden demaechst zwei grosse Kasinos eroeffnet. Das Marina Bay Sands und das Sentosa Resort World.
Nun ist der Chinese an sich offenbar als notorischer Spieler bekannt. Das will ich nicht weiter kommentieren. Um dem entgegenzuwirken gibt es hier sogenannte "Exclusion Schemes". Im Kasinogesetz von 2006 ist geregelt, dass man sich selbst oder Familienmitgliedern den Eintritt verweigern lassen kann. Darueber hinaus koennen Leute ausgeschlossen werden, die
- aus irgendeinem staatlichen Sozialprogramm unterstuetzt werden
- in einem laufenden Insolvenzverfahren stecken oder
- eine schlechte Kredithistorie haben.

Das mit den Sozialprogrammen und Insolvenzen wird seit gestern umgesetzt: Ca. 25.000 Leuten mit noch offenen Insolvenzverfahren und knapp 3.700 Empfaengern staatlicher sozialer Unterstuetzung wird schriftlich mitgeteilt, dass sie besser gar nicht versuchen sollten, ins Kasino zu gehen.

Wer trifft die Entscheidungen: Ein unabhaengiger Rat, ins Leben gerufen per oben erwaehntem Kasinogesetz. Die Ratsherren und -damen werden vom Minister fuer die Gemeinschaft, Jugend und Sport fuer max. zwei Jahre ernannt (Wiederernennung ist moeglich, und sicher auch erwuenscht) und koennen auch jederzeit wieder abberufen werden.
Eine Entscheidung dieses Rates ist uebrigens endgueltig. Eskalation ist nicht vorgesehen.

Die ganze Geschichte gibt es auf http://news.asiaone.com/News/AsiaOne%2BNews/Singapore/Story/A1Story20091217-186328.html

Zusaetzlich dazu wird uebrigens jeder Singapurer eine Eintrittsgebuehr von umgerechnet 50 EUR bezahlen muessen um ueberhaupt reingelassen zu werden.

Mir ist das nun relativ egal, weil das ganze nur fuer Singapurer und Permanent Residents gilt. Ich kann hier trotzdem Haus, Hof und Weib verspielen, aber ich finde das ist ein schoenes Beispiel fuer das Prinzip, das hier ganz gut zusammengefasst wird.

Interessant nebenbei: Bislang hat nur ein Ehemann seiner Frau das Spielen verboten, aber sieben Frauen halten ihre Maenner an der kurzen Leine. Was sagt uns das? Frauen verstehen nix von Spass.

Vielen Dank fuer die Aufmerksamkeit.

Martin

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